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Ein einzigartiger & zeitloser Roman!

Der Wolkenatlas - David Mitchell, Volker Oldenburg

Von David Mitchells großartigen Roman hörte ich zugegebenermaßen erst, als bereits die Verfilmung ihren Kinostart feierte. Und ehrlich gesagt hätte ich weder den Trailer zum Film angeschaut, als auch das Buch gelesen, wäre ich nicht zu einer Kinovorstellung von "Cloud Atlas" eingeladen worden. Da ich es nicht mag, eine Literaturverfilmung anzuschauen ohne das Buch zu kennen, kaufte ich mir kurzerhand "Der Wolkenatlas" und begann zu lesen. Zwar schaffte ich es nicht vor dem Film, aber die ersten Geschichten im Roman konnten mich bereits überzeugen - und auch nach der Verfilmung verlor der Roman keinesfalls mein Interesse.

Sechs verschiedene Geschichten, Schreibstile, Epochen erzählen von den Leben und Schicksal sechs verschiedener Menschen. Da ist das Expeditionstagebuch von Adam Ewing, die Briefe des jungen Komponisten Robert Frobisher an seinen lieben Freund Rufus Sixsmith. Die Journalistin Luisa Rey, die auf einer Party auf den alten Rufus Sixsmith trifft und von ihm etwas erfährt, das ihre Neugier weckt. Der ein wenig kuriose Verleger, Timothy Cavendish, der von seinem Bruder in ein Altenheim gesperrt wird. Eine leider sehr realistische Version einer möglichen Zukunft, von der eine genomierte Duplikantin erzählt. Und schließlich eine noch erschreckendere Geschichte von dem jungen Zachry, der in einer Welt lebt, in dem unsere jetzige Welt verschwunden ist und die Menschheit wieder zu ihren Ursprüngen zurückkehrt.

Auf den Inhalt möchte ich nicht näher eingehen - ich kann nur jedem Einzelnen ans Herz legen, diesen einzigartigen Roman selbst zu lesen. Im ersten Teil werden abwechselnd die sechs Geschichten bis zur Hälfte erzählt - geordnet nach der Jahreszahl, in der sie spielen - bis auf die letzte Geschichte. Diese wird in einem Zug erzählt und bildet den Wendepunkt des Ganzen. Hinter jedem Satz steckt - leider - sehr viel Wahres dahinter und ich denke, man wird nicht alles beim ersten Lesen verstehen. Doch nach der sechsten, vollständig erzählten Geschichte, werden in umgekehrter Reihenfolge nun die restlichen Geschichten und Schicksale dieser Menschen zu Ende erzählt. Es ist faszinierend, wie sich eine Geschichte in die andere fügt. Sowohl im ersten als auch im zweiten Teil. Die Aussage dahinter ist simpel: die Schicksale wiederholen sich und jede unserer Handlungen bestimmt unsere als auch die Zukunft unserer Kinder und Mitmenschen.

Die verschiedenen Schreibstile mögen den ein oder anderen Leser verwirren, mir hat diese Abwechslung sehr gut gefallen. Es steigert die Spannung und vor allem aber zeigt es sehr deutlich die Unterschiede - spielt jede Geschichte schließlich zu einer anderen Zeit. Da ist es natürlich, dass das Expeditionstagebuch eine altertümlichere Sprache trägt, als die Briefe im Jahr 1931.

Was kann man hier noch mehr sagen? Nichts. Ich lege "Der Wolkenatlas" jedem ans Herz, es sollte jeder gelesen haben, ob man lieber Fantasy, Jugendbücher, Krimis oder doch nur Biografien liest. Meiner Meinung nach ist dieser Roman absolut zeit- und genrelos und David Mitchell hat unfassbar großartige Arbeit geleistet. Sehr viele, kaum wahrnehmbare Kleinigkeiten sind in die einzelnen Geschichten verwoben, einige Anspielungen und noch mehr, was eine sehr präzise Arbeit und eine genaue Wahrnehmung des Lesers erfordert. Aber es lohnt sich, jedes einzelne Wort zu lesen. Und da die Verfilmung zum jetzigen Zeitpunkt läuft ist meine Empfehlung: den Roman zu lesen, wenn im Hintergrund der Soundtrack der Verfilmung läuft. Wem der Film gefallen hat: Buchvorlage bitte auch lesen!