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[Rezension] Zoë Beck - "Brixton Hill"

Brixton Hill - Zoe Beck

Pünktlich zur kalten und eher ungemütlichen Jahreszeit erscheint diesen Monat der neueste Thriller von Zoë Beck unter dem Titel “Brixton Hill” im Heyne Verlag.

 

Emma Vine befindet sich in einem Luxushochhaus im Londoner Stadtteil Canary Wharf, im Büro ihrer Freundin, als auf einmal der gesamte Strom ausfällt. Im hochtechnisierten Gebäude ein gefährlicher Zustand. Als zudem Rauch aus den Belüftungsschächten die Luftzufuhr blockiert, klettert ihre Freundin voller Panik aus dem Fenster. Und vergisst, dass sie sich im 15. Stock befindet…

 

Kurz darauf wird Emma Vine verhaftet, da ihr die Schuld am Tod ihrer Freundin angehängt wird. Und so wird ihr schnell klar, dass sie das eigentliche Ziel dieses Anschlags war, nicht Kimmy – und dass die Jagd noch lange nicht vorbei ist.

 

Zuallererst: “Brixton Hill” war mein allererstes Buch überhaupt von Zoë Beck. Bisher hatte ich ausschließlich positive Stimmen zu ihren Büchern vernommen und all ihre mir bekannten Leser schienen mir sehr begeistert zu sein. Meine Erwartungen an “Brixton Hill” waren also zugegebenermaßen sehr hoch. Umso enttäuschter bin ich, dass mich der Thriller leider nicht ganz so begeistern konnte.

 

Die Thematik dahinter – Familienverhältnisse, Macht, Politik, Immobilien, RAF, IRA, Terror – fand ich dabei sehr interessant. Hinter der Handlung in “Brixton Hill” steckt viel wahrheitsgetreue Geschichte und auch die Umstände in Brixton, die Revolte, die Feier von Margaret Thatchers Tod fand ich unheimlich gut darin eingearbeitet. Im Endeffekt sind es diese Themen, die mich auf die vorherigen Bücher der deutschen Autorin neugierig machen. Gut gefallen hat mir auch die Art, wie die Autorin soziale Netzwerke in die Handlung einbaut – mittels Twitter kommuniziert Emma sozusagen mit dem Feind. Und auch Hacker spielen hier eine große Rolle – passend zum heutigen Alltag. Kurzum: eine sehr interessante Thematik steckt hier hinter der gesamten Handlung.

 

Obwohl ich die Handlung an sich wirklich toll fand, hat mir hier leider eines sehr gefehlt: die Spannung. Für mich müssen Thriller fesselnd sein, am liebsten von der ersten Seite an, sie müssen mich nachts wachhalten und mir den Atem nehmen. Hier musste ich mich leider oft zum Weiterlesen zwingen. Es gibt zwar die ein oder andere recht spannende Stelle, bei der man sich sagt “Nur noch ein Kapitel”, aber es überwiegend dann doch die Stellen à la “Ach, lese ich morgen weiter”. Sehr schade. Stünde unter dem Buchtitel “Krimi” statt “Thriller” wäre meine Bewertung eventuell anders ausgefallen, aber da ich einen superspannenden Thriller erwartet hatte, war ich relativ enttäuscht von “Brixton Hill”.

 

Desweiteren haben mir auch flüssigere Übergänge und Bezüge zwischen/zu den einzelnen Handlungen und Taten gefehlt. Vieles kommt sehr plötzlich oder scheint aus dem Zusammenhang gerissen worden zu sein. Ob das der übliche Schreibstil der Autorin ist, kann ich (noch) nicht beurteilen. Zudem war mir die Protagonistin doch relativ unsympathisch. Ihre Taten haben meiner Meinung nach so gar nicht zu ihrer Denkweise gepasst, weswegen sie für mich gegen Ende doch sehr naiv zu sein schien. Diese Kritikpunkte zwingen mich leider dazu, dieser Lektüre nur drei (eigentlich 3,5) Sterne zu geben, obwohl ich gern mehr gegeben hätte – denn die Themen dahinter fand und finde ich immer noch sehr vielversprechend.

 

Eine wahnsinnig interessante und realitätsnahe Handlung, aber eher Krimi als Thriller. Für mich persönlich fehlt es in “Brixton Hill” an Spannung und Atemnot, dennoch bleibt es für mich eine recht gute Lektüre und ich bin den anderen Büchern der Autorin nicht abgeneigt. Eine zweite Chance werde ich Zoë Beck auf jeden Fall noch geben.